Litauen

Litauen – ach, was für ein Land. Ehrlich, das unterschätzt jeder.
Aber fangen wir vorne an. Rostock, Fähre, und ich – mega aufgeregt. Zum allerersten Mal mit meinem selbst ausgebauten Van auf einer Fähre, keine Ahnung, was da auf mich zukommt. So ein Van ist ja nicht einfach nur ein Auto, das ist mein Zuhause, und das jetzt auf einem Schiff zu wissen – irgendwie Aufregung und leichte Panik gleichzeitig. Rüber nach Trelleborg, dann weiter bis Klaipėda. Und dann, einundzwanzig Uhr abends, dunkel wird's schon, ich komm an – und hab noch überhaupt keinen Plan, wo ich die Nacht stehen soll. Herzklopfen pur. Das erste Mal freistehen, wirklich das allererste Mal.
Ich hab dann einen Parkplatz an einer Universität gefunden und bin da geblieben. Und komischerweise, genau das hat mir gutgetan. Da waren Menschen, Studenten, Leben um mich rum, und das war mir in dem Moment wichtiger als jede schöne Kulisse. Nicht allein irgendwo in der Pampa, sondern mittendrin. Die erste Nacht war trotzdem wild. Auto komplett zugemacht, jede Ritze abgedichtet, als könnte mich das vor irgendwas schützen. Geschlafen hab ich kaum, eher gelauscht.
Aber dann kam der Morgen. Sonne durchs Fenster, und mit ihr diese Erleichterung – ich hab's geschafft, es ist nichts passiert. Spiegeleier mitten auf dem Parkplatz, und die ersten Menschen, die mir begegnet sind, einfach nur freundlich. Das hat etwas in mir gelöst. Genau das ist ja die Sache mit dem Mut: man weiß vorher nie, wie's wird – man macht's trotzdem.

Weiter nach Palanga, dem klassischen litauischen Seebad an der Ostsee. Quirlig, touristisch im Sommer, aber gleichzeitig auch ruhig gelegen. Ich hab da erstmal nur gegroovt, Strandvibes eingesammelt, mich sortiert. Tat mir gut, dieser Ort. Nachtlager war allerdings eine andere Geschichte. Erste Nacht am Tennisplatz, musste ich wieder verlassen – durfte da nicht stehen. Nächster Parkplatz, abends kamen Jugendliche mit ihren Autos angefahren, laut, unruhig – also auch da wieder weg. Dann bin ich ein Stück ins Wohngebiet reingefahren, hab mich rechts an einen Parkplatz gestellt, dachte, so, jetzt reicht's. Und zack, am nächsten Morgen ein Strafzettel unterm Scheibenwischer. Verwarnung, dass man dort nicht stehen darf. Zum Glück keine Strafe, nur die Ansage. Sachen zusammengepackt und weiter. Learning by doing, mit Herzklopfen inklusive.
Dann Vilnius, die Hauptstadt. Und die hat's echt in sich. Diese Altstadt – klein, süß, wirklich bezaubernd, mit ganz vielen Ateliers und Künstlern, die einfach überall ihre Sachen zeigen. Geparkt hab ich außerhalb und bin mit dem Bus reingefahren, das hat die ganze Sache viel entspannter gemacht. Übernachtet hab ich auf einem Stellplatz, einfach, aber zentrumsnah – fast direkt vor der Tür der Bus in die Innenstadt. Zwei Tage bin ich geblieben, weil ich's nicht geschafft hab in einem, und weil ich einfach gemütlich unterwegs war. Kann man auf jeden Fall machen, zwei, drei Tage würde ich einplanen, um alles in Ruhe zu erfahren. Unbedingt in die Cafés setzen, etwas Leckeres essen, ist wirklich richtig sweet dort. Und die Kirchen, megaschön, sollte man sich auch anschauen. Wettertechnisch eher durchwachsen bei mir, zwischendurch Regen, aber nicht kalt. Trotzdem, ich hab mich einfach wohl gefühlt in dieser Stadt.
Genau in Vilnius hab ich mir übrigens auch das litauische Nationalparfüm gekauft – kein x-beliebiger Duft, sondern der Duft, der für dieses Land steht. Bernstein-Note, riecht nach Wald, nach Meer, nach etwas Warmem, das einen einfach umarmt. Ich hab's mir gekauft, als kleines Souvenir, das mich noch lange an diese Reise erinnern wird.
Und Essen, ehrlich, da kann man in Litauen richtig etwas erleben. Cepelinai, diese riesigen Kartoffelknödel mit Fleischfüllung, schwer wie ein Stein, aber Gott, so gut. Kaltschale, diese pinke kalte Rote-Bete-Suppe mit Buttermilch, sieht aus wie von einem anderen Planeten, schmeckt im Sommer aber perfekt. Und Šakotis, der Baumkuchen von den Ständen, muss man einfach probiert haben.
Weiter rein ins Land, Šiauliai. Der Berg der Kreuze ist da der Hammer – Tausende Kreuze, über Jahrzehnte aufgetürmt, still, fast gruselig, aber wahnsinnig eindrücklich.
Und Pakruojis, klein, aber überraschend viel Kunst unterwegs. Auch da massig kleine Ateliers, freie Künstler, die einfach machen, was sie wollen. Unzählige Bilder geschossen, die Ecke hat etwas Rohes, Unfertiges, aber genau das macht's so spannend.
Alles in allem, Litauen ist kein Land, das man schnell abhakt. Da steckt Geschichte drin, Geschmack, Duft, Kunst, und ganz viel erste Male. Mut braucht kein Alter, aber neugierig bleiben schadet auch nicht.

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