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Lettland

Autorenbild: Mareen Laudahn
Mareen Laudahn
26. Sept.
5 Min. Lesezeit

Gänsehaut, Skyline und ein Moor, das mich nicht mehr loslässt.


Kaum über die Grenze, stand schon die erste Burg vor mir. Die Burg Bauska. Alte Mauern, viel Geschichte, ein netter Einstieg in ein Land, das ich vorher kaum kannte.

Aber dann kam Rundāle. Und ehrlich, damit hatte ich nicht gerechnet.

Burg Bauska
Burg Bauska

Man nennt es das Versailles des Baltikums, und ich verstehe jetzt, warum. Prunkvoll, riesig, dieser Garten. Und plötzlich lief Musik über das ganze Gelände, eine Sinfonie, so wie es früher mal gewesen sein muss. Ich stand einfach da. Gänsehaut. Einer dieser Momente, die man nicht plant.


Das Bild präsentiert die beeindruckende Fassade des Schlosses Rundāle mit seinen markanten gelben Wänden und weißen Dekorationen, vor einem dramatisch bewölkten Himmel. man  nennt es auch das Versailles des Baltikums.
Das Bild präsentiert die beeindruckende Fassade des Schlosses Rundāle mit seinen markanten gelben Wänden und weißen Dekorationen, vor einem dramatisch bewölkten Himmel. man nennt es auch das Versailles des Baltikums.


Dann Riga. Richtig, richtig schön.

Ich bin durch die Altstadt gelaufen, kleine Gassen, bunte Fassaden, Kopfsteinpflaster, und überall gab's was zu entdecken. Mittendrin der Dom. Groß, ehrwürdig, und irgendwie ganz ruhig inmitten von all dem Trubel.

Mitten durch die Stadt fließt die Daugava, breit und gemächlich. Mehrere Brücken führen darüber, und von dort hat man einen herrlichen Blick zurück auf die Altstadt mit ihren Kirchtürmen.

Mein Stellplatz lag mit Blick auf genau diese Skyline. Und abends, wenn die Lichter angingen, saß ich im Van und dachte"Wie verrückt ist das eigentlich gerade?"


Ich besuchte das Ķemeri-Moor. Ich hätte nie gedacht, dass mich ein Moor so packen kann. Auto abstellen, Gebühr zahlen, und dann geht's auf einem Holzsteg mitten hinein. Links und rechts kleine dunkle Seen, Moos in allen Farben, krumme Kiefern. Und diese Stille. Vom Aussichtsturm sieht man, wie weit sich das alles zieht. Wunderschön. Und irgendwie ein bisschen unwirklich.


Warum Moore so wichtig sind

Auf diesem Holzsteg hab ich gedacht: Das hier ist nicht nur schön. Das ist richtig wertvoll.

Moore bedecken nur rund drei Prozent der Landfläche der Erde, speichern aber etwa doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder zusammen. Und sie wachsen nur etwa einen Millimeter im Jahr. Dazu halten sie Wasser fest wie ein Schwamm, schützen vor Hochwasser, kühlen bei Hitze und sind Zuhause für Pflanzen und Tiere, die es sonst kaum noch gibt. Sonnentau zum Beispiel, oder der Moorfrosch.

In Deutschland sind über 90 Prozent der Moore trockengelegt. Und ein trockenes Moor speichert nicht mehr, es gibt ab. Gerade bei mir zu Hause in Mecklenburg-Vorpommern gibt es viele davon. Inzwischen versucht man, sie wieder nass zu machen. Wiedervernässung heißt das.

Schritt fuer Schritt ueber das Moor
Schritt fuer Schritt ueber das Moor

In Lettland durfte ich sehen, wie so ein Moor aussieht, wenn man es einfach lässt. Ich wünsche mir, dass wir das bei uns auch wieder hinkriegen.


Saulkrasti

Zum Schluss bin ich an die Küste nach Saulkrasti gefahren. Übersetzt heißt das so viel wie "Sonnenküste", und ich finde, der Name passt.

Mein Highlight dort war die Weiße Düne. 18 Meter hoch, genau da, wo das Flüsschen Inčupe in die Ostsee fließt. Ich hab gelesen, dass sie früher den Fischern den Weg nach Hause gezeigt hat, so hell hat der Sand geleuchtet. Ich stand oben auf der Aussichtsplattform und hab über den weiten Strand und die ganze Rigaer Bucht geschaut. Einfach weit. Einfach Meer.

Von der Düne führt ein Sonnenuntergangspfad knapp vier Kilometer an der Küste entlang bis ins Städtchen. Durch Kiefernwald, immer mit Blick aufs Wasser. Mir haben es vor allem die alten Kiefern angetan, manche sollen um die 200 Jahre alt sein. Doppelte Kronen, verdrehte Äste, freigelegte Wurzeln. Die Natur macht hier einfach, was sie will. Und irgendwo steht sogar ein großes Hörrohr, mit dem ich den Wellen und dem Rauschen der Bäume lauschen konnte.

Mir ist aufgefallen, wie viele Einheimische hier unterwegs sind. Zum Spazierengehen, zum Sonnenuntergang schauen. Und ich hab erfahren, dass die Weiße Düne einer der beliebtesten Orte für Hochzeitsfotos ist. Kann ich total verstehen.

Nach dem Trubel von Riga war das für mich genau richtig. Wieder runterkommen, Sand unter den Füßen, Wind im Gesicht.


Für den Faktenblock:

Saulkrasti liegt knapp eine Stunde nördlich von Riga direkt an der Rigaer Bucht

Die Weiße Düne ist 18 Meter hoch. Ihren Namen hat sie von den hellen, fest gewordenen Sandschichten, die fast wie Sandstein aussehen.

Der Sonnenuntergangspfad ist knapp vier Kilometer lang, zu Fuß braucht man ein bis zwei Stunden

Auf dem Weg zur Düne stehen die sogenannten Katharinen-Linden. Der Legende nach hat Zarin Katharina die Große sie bei einem Urlaub an der Küste gepflanzt.

Die Düne ist empfindlich. Stürme und Besucher haben sie über die Jahre angegriffen, 2018 ist sogar ein Teil abgebrochen. Deshalb bitte auf den Holzstegen bleiben.


Lettland kurz und knapp

Hauptstadt: Riga

Einwohner: gut 1,8 Millionen, etwa ein Drittel davon im Großraum Riga

Sprache: Lettisch, viele sprechen auch Englisch oder Russisch

Währung: Euro

Über die Hälfte des Landes ist Wald

Knapp 500 Kilometer Küste, fast überall Sandstrand

Rigas Altstadt ist UNESCO-Welterbe, mit einer der größten Jugendstil-Sammlungen Europas

Der Rigaer Dom ist die größte mittelalterliche Kirche im Baltikum. Seine Orgel war bei ihrem Bau im 19. Jahrhundert die größte der Welt.

Die Daugava, auf Deutsch Düna, fließt quer durch Lettland und mündet direkt hinter Riga in die Ostsee

Der Zentralmarkt in Riga steckt in alten Zeppelinhallen

Rundāle hat derselbe Architekt entworfen wie den Winterpalast in Sankt Petersburg. Der französische Garten ist der bedeutendste Barockgarten im Baltikum und hat 2021 den Europäischen Gartenpreis gewonnen.

Essen und Naschen

Nationalgericht: graue Erbsen mit Speck. Klingt schlicht, macht aber richtig satt. Dazu gibt's oft dunkles Roggenbrot, auf das die Letten zu Recht stolz sind.

Schokolade: Lettland ist stolz auf seine Marke Laima. Die gibt's im ganzen Baltikum, und natürlich musste auch bei mir eine Tafel mit in den Van. In Riga gibt's sogar ein Schokoladenmuseum, und die Laima-Uhr im Zentrum ist der Treffpunkt der Stadt.

Riga Black Balsam: ein dunkler Kräuterlikör, schwarz wie die Nacht und ziemlich kräftig. Die Letten schwören drauf, auch gegen Erkältung.


Meine Route

Litauen → Bauska → Rundāle → Riga → Ķemeri-Moor → Saulkrasti → weiter nach Estland

Die Strecken sind kurz. Von Bauska nach Rundāle sind es gut zehn Kilometer, nach Riga etwa eine Stunde. Das Moor liegt bei Jūrmala, eine knappe Stunde westlich von Riga. Saulkrasti etwa genauso weit nördlich.

Maut und Kosten

Für Autos und Wohnmobile gibt es in Lettland keine Autobahnmaut. Wichtig: Das gilt nur, wenn dein Van als Wohnmobil zugelassen ist, nicht als LKW. Also kurz in den Fahrzeugschein schauen.

Einzige Ausnahme ist der Badeort Jūrmala, und dazu gehört auch das Ķemeri-Moor. Jedes Fahrzeug zahlt dort eine Einfahrtsgebühr pro Tag. Es gibt keine Schranke, nur ein Schild am Ortseingang. Also den Pass vorher online oder am Automaten kaufen.

Eintritt für Burgen und Schlösser kostet extra

Tipps für Lettland mit dem Van

Die Hauptstraßen sind gut, Nebenstrecken manchmal holprig, also lieber langsam

In Riga lohnt sich ein Stellplatz etwas außerhalb, von da aus mit Rad oder Bus in die Stadt

So läuft's in Lettland:

Freistehen ist grundsätzlich erlaubt, solange keine Verbotsschilder stehen und du nicht auf Privatgrund bist. Vorsicht in der Nähe von Städten, da wird häufiger kontrolliert.

In Städten, Ortschaften und direkt neben Wohnhäusern ist es untersagt. In Naturschutzgebieten und Nationalparks nur eingeschränkt.

Die Staatsforsten haben über 300 Rastplätze in den Wäldern, teils mit Feuerstellen. Finden kannst du sie mit der App „LVM GEO“, Schutzgebiete zeigt die App „Nature Tourism“.

Schutzgebiete erkennst du an einem Schild mit Eichenblatt auf grünem Grund.

Ganz wichtig: Mit dem Fahrzeug auf Sandstrände oder Dünen fahren oder dort parken ist im ganzen Land streng verboten und wird teuer.

im Sommer gibt's im Schlosspark immer wieder klassische Konzerte. Vorher auf der Website vom Schloss schauen, vielleicht hast du so viel Glück wie ich.

Das Moor früh morgens oder zum Sonnenuntergang, dann ist es leer und das Licht magisch. Im Sommer unbedingt Mückenspray einpacken.

 
 
 

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